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Buch des Monats: Das Geräusch einer Schnecke beim Essen

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen
An einem Virus erkrankt ist die Journalistin Elizabeth Tova Bailey für mehrere Monate ans Bett gefesselt. Mit der Idee, dass sie vielleicht Freude daran haben könnte, stellt eine Freundin ihr einen Topf, bepflanzt mit Ackerveilchen vom Wegesrand und einer Schnecke als
Bewohnerin, neben das Bett.
Zunächst befremdet, lässt sie ihrer neuen Gesellschafterin dennoch eine angemessenere Behausung zukommen und ist fasziniert:

„Ein Buch zu halten und zu lesen, egal wie lange, erforderte ein Maß an Kraft und Konzentration, das meine Möglichkeiten überstieg;
meine Schnecke zu beobachten hingegen war äußerst entspannend. Ich sah ihr zu, ohne zu denken, schaute einfach in das Terrarium, um mich mit einem anderen Lebewesen verbunden zu fühlen – kaum zehn Zentimeter von mir entfernt vollzog sich ein anderes Leben.“

Und in dieses andere Leben, in diese völlig fremde Welt, taucht Elizabeth Tova Bailey tief ein. Wir erfahren Fakten über die Welt der Gastropoden, die mich die Schnecken in unserem Garten auf jeden Fall mit ganz neuen Augen sehen lassen. Ist eine Schnecke doch beispielsweise im Besitz von circa zweitausendsechshundertvierzig Zähnen, die sich in auf rund 80 Reihen auf der Radula, der Raspelzunge, verteilen. Ist die vordere Reihe abgenutzt, wächst von hinten ganz einfach eine nach. Was die Autorin und mich durchaus neidisch macht.
Trotz tiefer Einblicke in die Welt der “Magenfüßer” ist das Buch aber keine zoologische Abhandlung, sondern wie es im Klappentext heißt: „…ein Buch über Entschleunigung und darüber, wie sich in einem kleinen Detail der Natur die Vielfalt des gesamten Lebens finden lässt.“ Wunderschön.

Das Geräusch einer Schnecke beim Essen von Elizabeth Tova Bailey (übersetzt von Kathrin Razum) ist bei Piper erschienen,
hat 169 Seiten und kostet € 10,-.