Sanft

„Danach verstrich die Zeit eine Woche lang ganz sanft.“
~Jane Gardam (Weit weg von Verona)

Es gibt Sätze, über die ich stolpere, die mich innehalten lassen, die so schön sind, dass sie aufgeschrieben werden möchten. 
Zeit, die sanft verstreicht, das klingt so schön und noch verheißungsvoller, oder? 
Sanft verstreichende Zeit klingt für mich nach leichter Sommerbrise, offenen Türen… ohne Drama. Kein Aufruhr, weder außen noch innen…verweilen können… weder getrieben noch gelangweilt fühlt sich dieses Streichen an. 

Ich kann mich nicht wirklich erinnern, wann die Zeit das letzte Mal eine ganze Woche lang ganz sanft verstrichen wäre (dafür müsste man wohl die Welt ausschließen und Nachrichten aus dem In- und Ausland komplett ausblenden). 
Aber das Zeitempfinden (ob als sanftes Verstreichen, fieser Gegenwind oder lähmende Bewegunslosigkeit) liegt sicher nicht nur in den äußeren Umständen begründet. 

So wie mich Sätze innehalten lassen, könnte ich mich auch von anderen Eindrücken in einen sanfteren Zeitstrom holen lassen: Für eine Weile könnte ich einfach dem Schattenspiel des Holunders vor dem Fenster auf dem Holzboden zuschauen, der Katze beim Schlafen, dem Gras beim Wachsen. 
Einem Musikstück lauschen oder meinem eigenen Atem. Tagträumen. Die Spannung meiner Muskeln spüren und nur für eine Weile die innere Zustimmung geben, dass sie nicht so hoch sein braucht. Mir erlauben, zu sagen, dass es manchmal auch einfach alles viel ist. 
Sanft mit mir selbst, fließt vielleicht auch die Zeit sanft.